5. Sehen im Alter

  • Alter und Sehen

  • Trockene Augen

  • Altersveränderungen des Sehens

  • Altersveränderungen des Gehirns

  • Alter und Erkrankungen der Augen

  • Bedeutung des Sehens im Alter

  • Aufgabenbereiche des Optometristen


Alter und Sehen

Das Sehen hat für den Menschen eine überragende Bedeutung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt daher insbesondere für ältere Menschen eine regelmässige Untersuchung der Augen. Sehprobleme schränken die Selbstständigkeit und Mobilität älterer Menschen ein.

 

Trockene Augen

Das trockene Auge ist eine Benetzungsstörung der Augenoberfläche. Bei uns sehr verbreitet, vor allem bei Menschen über fünfzig. Die Ursache kann einerseits einfach zuwenig Tränen oder andererseits eine falsche Tränenzusammensetzung sein. Betroffene leiden unter Augenrötung, Fremdkörpergefühl, Brennen Kratzen, Schleimabsonderung oder morgens verklebte Augen bis hin zur Lichtempfindlichkeit.

 

Altersveränderungen des Sehens

Wie alle Organe ist auch das Auge von Altersveränderungen betroffen. Die Alterssichtigkeit (Presbyopie) tritt bereits ab dem 40sten Lebensjahr auf. Vor allem das Kleingedruckte macht den Betroffenen immer mehr zu schaffen. Der Grund dafür liegt im Verlust der Elastizität der Augenlinse und der Ermüdung der Ziliarmuskulatur, welche dafür sorgt, dass die Augenlinsen verschiedene Distanzen fokussieren kann (Akkommodieren).

Die kleinste Distanz, in welcher ein Gegenstand noch deutlich gesehen wird, vergrössert sich im Verlauf des Lebens immer mehr. Der Zeitpunkt, bei dem eine optische Unterstützung für den Nahbereich nötig wird, hängt neben dem Alter stark von den Anforderungen in Beruf und Freizeit ab.

Das Sehen im Alter am gesunden Auge wird primär durch die verminderte Netzhauthelligkeit, welche sich negativ auf die Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit auswirkt, bestimmt. Dafür verantwortlich sind der geringere Pupillendurchmesser sowie alterstypische Trübungen der Augenlinse.

Bei ungünstigen Lichtverhältnissen ist eine ausreichende Kontrastempfindlichkeit wichtiger als eine hohe Sehschärfe. Die ersten Einbußen der Kontrastempfindlichkeit machen sich bereits ab dem 40. Lebensjahr bemerkbar.

Viele ältere Menschen bemerken wegen der erhöhten Blendungsempfindlichkeit insbesondere bei ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen eine Verschlechterung des Sehens. Sie wird durch Streulicht als Folge von Trübungen der Augenmedien verursacht. Häufig werden Lichthöfe um Lichtquellen herum wahrgenommen.

 

Altersveränderungen des Gehirns

Das Sehen ist nicht allein auf das Auge beschränkt. Die Bilder, die wir wahrnehmen, werden im Gehirn erzeugt. Daher wirken sich auch Altersveränderungen des Gehirns auf das Sehen aus. Die Zellen des Gehirns, welche verloren gehen, können nicht durch Zellteilungen ersetzt werden.

Da das Gehirn auf eine optimale Blutversorgung angewiesen ist, wirken sich Veränderungen des Blutkreislaufs massiv auf das Gehirn und seine Funktionen aus. Eine Förderung der Durchblutung des Gehirns kann die Hirnfunktionen und somit die Gedächtnisleistung verbessern.

Ein nicht ausreichender Energiestoffwechsel wirkt sich ebenfalls auf die Auffassungsgabe, das Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis sowie die Verarbeitungsgeschwindigkeit, unter anderem bei der visuellen Information, aus.

 

Alter und Erkrankungen der Augen

Katarakt, Glaukom und altersbedingte Makuladegeneration sind typische Alterserkrankungen des Auges. Bis zu einem Alter von 65 Jahren treten diese Erkrankungen relativ selten auf.

Die häufigste Erkrankung des Auges im Alter ist der graue Star (Katarakt).

Mehr als zwei Drittel aller Sehbehinderungen werden durch Netzhauterkrankungen verursacht. Die altersbedingte Makuladegeneration ist die wichtigste und häufigste Ursache von schweren Sehbehinderungen und Erblindungen in der Schweiz.

Das Glaukom kann zwar auch bei jüngeren Menschen auftreten; aber erst ab dem vierzigsten Lebensjahr kommt es zu einem signifikanten Anstieg der Häufigkeit des Glaukoms. Diabetes kann bei allen Strukturen des Auges Veränderungen hervorrufen.

 

Bedeutung des Sehens im Alter

Nachdem das Sehen im dritten Lebensjahrzehnt seine maximale Leistungsfähigkeit erlangt hat, verbleibt es über viele Jahre auf hohem Niveau. Erst im siebten Lebensjahrzehnt nimmt die Qualität des Sehens deutlich ab, wobei sich die Einbußen an Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit am stärksten auf das Sehen und auch die Lebensqualität auswirken.

Sehprobleme gelten als wichtige Ursache von Stürzen und Depressionen; die geistige Leistungsfähigkeit kann durch Sehprobleme vermindert sein. Altersbedingte Sehverschlechterungen werden in Zukunft in den entwickelten Ländern zu den wichtigsten Krankheitslasten zählen, die für den Verlust gesunder Lebensjahre verantwortlich sind.

 

Sehen im Alltag

Auch wenn keine Erkrankungen des Auges vorliegen, klagen viele ältere Menschen über Schwierigkeiten beim Lesen der Zeitung und der Erkennung von bekannten Gesichtern auf der Strasse.

Nach dem 75. Lebensjahr kommt es häufig zu einem starken Anstieg von Sehproblemen. Zu den Sehproblemen kommen häufig Schwierigkeiten des Hörens hinzu, welche die richtige Ortung von Signalen zusätzlich erschwert. Die Verlangsamung kognitiver Funktionen führt zu Einschränkungen bei der Abschätzung von zeitlichen Abläufen und Abständen. Zügiges Mehrfachhandeln, wie es im Straßenverkehr unabdingbar ist, kann ältere Menschen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit bringen. Die meisten älteren Verkehrsteilnehmer sind jedoch in der Lage, ihre sensorischen Defizite durch Erfahrung, eine umsichtige Fahrweise und ein gutes Fahrtenmanagement zu kompensieren.

 

Aufgabenbereich des Optometristen

  • Information und Beratung

Gutes Sehen trägt viel zur physischen und psychischen Gesundheit im Alter bei. Der Verlust des Sehens zählt zu den größten Gesundheitsängsten älterer Menschen. Die Informationen, welche Kunden durch den Optometristen erhalten, beziehen sich nicht nur auf die Korrektionsmöglichkeiten von Fehlsichtigkeiten, sondern auch auf Veränderungen und Erkrankungen des Auges und deren Behandlungsmöglichkeiten.

Eine geringe Sehschärfe kann auch die Folge einer unzureichenden optischer Korrektion sein. Viele Sehprobleme älterer Menschen hängen mit einer unzureichenden Beleuchtung der eigenen Umwelt zusammen. Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit können durch eine gute Beleuchtung verbessert werden. Bei einer erhöhten Blendungsempfindlichkeit ist die Versorgung mit geeigneten Filtergläsern hilfreich.

 

  • Versorgung mit Sehhilfen

Die Korrektion der Sehschärfe kann mit Brillen wie auch Kontaktlinsen verbessert werden. Bei der Presbyopie können je nach Alltagssituation Lese-, Nahkomfort- oder Gleitsichtbrillen sowie Kontaktlinsen eingesetzt werden.

Bei einer Sehbehinderung werden oft vergrößernden Sehhilfen wie Lupen oder andere optische Hilfsmittel dienen, nötig. Hierfür ist eine adäquate Beratung unerlässlich.

 

  • Präventive Untersuchungen

Bei einer präventiven Untersuchung steht eine umfassender Check des Sehens und nicht das Aufdecken spezieller Erkrankungen des Auges im Vordergrund.

Besonders wichtig ist die Glaukomuntersuchung, da diese Erkrankung lange symptomfrei bleibt. Die Katarakt wird wegen der erhöhten Blendungsempfindlichkeit frühzeitig wahrgenommen. Durch die regelmäßige Überprüfungen mit dem Amsler-Gitter und die Untersuchung des Augenhintergrundes können Makuladegenerationen sowie diabetische bedingte Veränderungen frühzeitig erkannt werden.

Die Bedeutung der allgemeinen Untersuchung des Sehens, wie Sehschärfe, Kontrast- und Blendungsempfindlichkeit sowie Gesichtsfeld, darf nicht unterschätzt werden, da Sehprobleme die Lebensqualität und die geistige Leistungsfähigkeit älterer Menschen massiv beeinträchtigen können. Strategien zur Verbesserung der Alltagsbewältigung können darauf aufgebaut werden.

 

Dr. Andreas Berke, Höhere Fachschule für Augenoptik Köln, Bayenthalgürtei 6-8, 50968 Köln in DOZ 4-2009

Quelle: http://www.sehenimalter.org/daten-fakten/publikationen-von-experten/38-alter-und-sehen; 11.7.15

 

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