4. Freizeit und Sport

  • Sehen in der Freizeit

  • Sehen im Sport

  • Korrektionsmöglichkeiten

  • Sehtraining im Sport


Sehen in der Freizeit

Das Sehen in der Freizeit ist so vielfältig wie wir Menschen selber. Wo wir während der Arbeit oft dieselben Sehaufgaben bewältigen müssen, haben wir in unserer Freizeit die Freiheit, verschiedenste Aktivitäten auszuüben. Diese Vielfältigkeit erfordert vom Sehsystem Einstellungen und Anpassungen an die verschiedensten Sehsituationen. Sehen in die Ferne und in die Nähe, rasche Wechsel von Fern auf Nah und umgekehrt, Aktivitäten im Innern oder im Freien, Sehen bei künstlicher Beleuchtung oder bei Sonnenschein, Wärme oder Kälte, bei Wind und Wetter, mit all den Situationen müssen unsere Körper und auch unsere Augen klar kommen. Will man seine Freizeit vielseitig und aktiv gestalten, sind somit auch unterschiedliche Korrektionsmittel notwendig.

Die Aufgabe des Optometristen ist, gemeinsam mit Ihnen ihre Sehanforderungen während der Arbeit aber auch in der Freizeit abzuklären und für Sie die Sehlösung zu finden, damit Sie in Ihrer Freizeit nicht nur gut sehen und gut aussehen, sondern diese auch uneingeschränkt geniessen können. Zudem sollten Ihre Augen in allen Lebenslagen optimal geschützt sein.

 

Sehen im Sport

95% der Sinnesdrücke werden beim Sport über die Augen aufgenommen. Optimale Leistung im Sport setzt somit eine optimale Sehfähigkeit voraus, dies unabhängig ob der Sport der Gesundheit oder der Leistung dient.

Die perfekte Sehleistung ist nicht nur während des Wettkampfs sondern speziell während der Lernphase sowie der Phase der Automatisation der Bewegung von immenser Bedeutung.

In vielen Sportarten ist das räumliche Sehen von grosser Bedeutung. Schon monokular sind Möglichkeiten räumlicher Zuordnung von Sehobjekten gegeben. Grössenvergleiche, die Anordnung der Objekte im Raum, Objektüberschneidungen, die Verteilung von Licht und Schatten, Verschiebungen durch Parallaxe verschaffen schon dem Einäugigen einen gewissen Eindruck von Raum.

Doch nur das voll funktionierende beidäugige Sehen mit Fusion gibt dem Sportler genauen Aufschluss über die räumlichen Verhältnisse und lässt so die präzise Anordnung und Abstände der Objekte von einander erkennen. Herbeigeführte einäugige Sehschärfenminderungen (sportliche Aktivität ohne Sehhilfe, künstlich herbeigefügt durch Sichtfolien oder durch eine Verletzung eines Auges) führen zu einer erheblichen Störung des räumlichen Sehens und dadurch zu einer starken Beeinträchtigung der sportlichen Leistungsfähigkeit.

Während das zentrale Sehen der Auflösung und Erkennung dient, vermittelt das periphere Sehen Raum-, Orientierungs- und Bewegungseindrücke.

Nur wer seinen Mitspieler und Gegner sehen und kontrollieren kann, wird ein erfolgreicher Mannschaftsportler. Müsste man dazu ständig den Kopf wenden, so verlöre man dadurch die Laufrichtung und das Bildwichtige aus dem Auge. Damit das nicht geschieht, hilft uns die Orientierung über die Peripherie. Beim Blick gerade aus erfasst der Mensch einen Bereich von 190 Grad – er sieht also auch Dinge, die leicht hinter ihm liegen. Wendet er den Blick nach links und rechts, kann er etwa 270 Grad überblicken. Mit Kopfdrehung kann der Mensch auch ohne Körperdrehung rundum sehen.

Je peripherer ein Gegenstand wahrgenommen wird, desto stärker muss der sich bewegen um Aufmerksamkeit und Hinwendung zu erzeugen. Dieses gute zeitliche Auflösungsvermögen der Peripherie ist in den meisten Sportarten enorm wichtig.

Hohe Sehanforderungen stellt die synchronoptische Beobachtung von mehreren Vorgängen an den Beteiligten. So müssen Kampfrichter zum Beispiel mehrere Gliedmassen gleichzeitig beobachten. Dies kann sie vor allem dann überfordern, wenn die Beobachtungspunkte weit auseinander liegen, weil die Sehschärfe nur im Fixationspunkt ausreichend hoch ist.

Während langsame Bewegungen mit kontinuierlichen Augenbewegungen verfolgt werden können, sind schnelle Aktionen nur mit Blicksprüngen (Sakkaden) zu beobachten. Sakkaden haben aber den Nachteil, dass das Sehen für 100 bis 200 Millisekunden ausgeschaltet wird. Findet während diesem Moment zum Beispiel ein Abgang vom Barren statt, kann der Kampfrichter diese Aktion nicht korrekt beurteilen. Das Bewegungssehen besteht meist aus Wechseln zwischen kontinuierlichem Folgesehen und Sakkaden.

 

Korrektionsmöglichkeiten

Obwohl jedem Sportler bewusst ist, dass gutes Sehen für die Ausübung seiner Sportart nötig ist, wird die bestmögliche Korrektion der Fehlsichtigkeit oft nicht angestrebt.

Vielmehr wird Wert auf optimales Trainieren von Kraft und Ausdauer gelegt. Weit verbreitet ist auch die Meinung, dass beim Spitzensportler die Bewegungsabläufe so sehr automatisiert sind, dass sie selbst „blind“ (mit geschlossenen Augen oder ohne optimale Sehkorrektion) durchgeführt werden können.

Oft wird bei Kindern und Jugendlichen auf eine zusätzliche Korrektionsmöglichkeit wie eine Sportbrille oder Kontaktlinsen verzichtet. Dies weil diese Brillen zusätzliche Kosten verursachen oder weil davon ausgegangen wird, dass die bestmögliche Sicht im Juniorenalter noch nicht „matchentscheidend“ ist. Dabei sind aber gerade in der Lern- und Automatisationsphase einer Bewegung die perfekten Sehfunktionen von immenser Bedeutung.

Die Korrektion und Schulung der Sehfunktionen sind nicht nur für den Sportler, sondern auch für Trainer und Schiedsrichter wichtig, da diese im Training und Wettkampf die Bewegungsabläufe des Sportlers beobachten, bewerten und korrigieren müssen.

Oft werden Kontaktlinsen als optimales Korrektionsmittel angesehen. Kontaktlinsen schränken das Gesichtsfeld nicht ein, sie werden durch Schmutz und Schweiss nicht so sehr verunreinigt wie eine Brille und beim Körpereinsatz des Gegenspielers besteht auch nicht die Gefahr eines Bruchs der Brille.

Oft können standardisierte Linsen wie 1-Tageslinsen oder 1-Monatslinsen angepasst werden. Je nach Sehanforderung und Sportart kann mit einer individuell angepassten Kontaktlinse die Sehqualität verbessert oder das Verlustrisiko minimiert werden.

Bei vielen Sportarten bieten Brillen Schutz vor Blendung, Wind und Fremdkörpern. Bei Ballsportarten mit kleinen Bällen (Unihockey, Squash, Tennis, Baseball etc.) bietet eine geeignete Brille einen effektiven Schutz vor Verletzungen der Augen durch Ball oder Schläger. Diese Brillen können über die Kontaktlinsen getragen oder auch mit Korrektionsgläsern versehen werden.

Können sowohl Brille und Kontaktlinse keine geeignete Sehkorrektion erreichen oder werden diese aus unbequem oder einschränkend empfunden, kann auch eine chirurgische Korrektion der Fehlsichtigkeit abgeklärt werden. Dabei kann eine Laserbehandlung der Hornhaut sowie eine Intraokulare Kontaktlinse ins Auge gefasst werden.

Der Optometrist kennt alle Korrektionsmöglichkeiten und kann die Vor- als auch die Nachteile erklären. Er kennt sich in der Anpassung von Brille und Kontaktlinsen aus und informiert den Interessierten Sportler über die chirurgischen Möglichkeiten einer Sehkorrektur. Er leitet Sie bei Bedarf an den geeigneten Augenarzt weiter.

 

Sehtraining im Sport

Hochleistungssportler in schnellen Sportarten wie zum Beispiel Tennis, Tischtennis oder Badminton trainieren das Bewegungssehen durch ihre sportliche Tätigkeit perfekt. Im Sport kommt es jedoch nicht nur darauf an, Ball, Schläger, Mit- und Gegenspieler korrekt zu identifizieren und zu lokalisieren, sondern auch mit dem eigenen Körper angemessen darauf zu reagieren. Ein Tennisspieler muss sich so frühzeitig auf den Ball des Gegners einstellen, um den Ball optimal retournieren zu können. Dieses Stellungsspiel ist abhängig von der dynamischen Sehschärfe, der Reaktionsgeschwindigkeit und der Erfahrung des Sportlers. Es wird durch die Augen kontrolliert und korrigiert. Ein erfahrener Tennisspieler beobachtet die Schulter des Gegners und darauf eine kurze Flugstrecke des Balles. Aus diesen Beobachtungen errechnet das Gehirn die gesamte Flugbahn des Balles ohne dass er dessen Flug zu Ende beobachten muss. Er bringt sich am errechneten Landepunkt des Balles in eine optimale Position. Auge, Kopf und Körper (Arm, Bein, Hand und Fuss) stellen sich darauf ein, den Ball anzunehmen und möglichst präzise zurückspielen zu können.

Dieser komplexe Ablauf von Aufnahme der Sehsituation, deren raschen und korrekten Verarbeitung sowie der geeigneten Reaktion bedarf nicht nur Talent und dem bestmöglichen Sportgerät, sondern auch viel Ausdauer im Training und Wettkampf.

Die Sehanforderungen im Wettkampf lassen sich im Training simulieren, kontrollieren und bei Bedarf korrigieren. Die Wiederholung der so erlernten optimalen Koordination von Auge, Körper und Hand und Fuss verbessert die Leistung des Sportlers.

Neben diesen sportartspezifischen Trainingsmethoden des Sehens gibt es auch Möglichkeiten von sportartunspezifischem Training. Dabei werden Auge-Hand- oder Auge-Fuss-Koordination, die Reaktionsfähigkeit, das periphere Sehen oder der rasche Wechsel von fernen zu nahen Sehaufgaben trainiert, ohne dabei die spezifische Aufgabenstellung während der Wettkampfsituation zu simulieren.

Positive Trainingseffekte im Sport sind vor allem dann zu erwarten, wenn das Stimulusmaterial in der Trainingsphase den Wahrnehmungsbedingungen in der Realsituation entspricht. Die Trainingssituation muss also möglichst exakt der angezielten Spielsituation entsprechen…..

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