2. Verkehrssicherheit

Das Sehen im Strassenverkehr

Ein gutes und scharfes Sehen im Strassenverkehr ist sehr wichtig. Über 90% aller verkehrsrelevanten Informationen werden über das visuelle System aufgenommen. Das gute Sehen im Strassenverkehr ist aber nicht nur von der Sehschärfe (Visus), sondern auch von der Kontrastsensibilität, dem Gesichtsfeld, des Stereosehens, der Blendeempfindlichkeit, sowie auch der Hell- / Dunkeladaptation abhängig.

Die Sehschärfe (Visus) bezieht sich auf das zentrale Sehen. Sie ist abhängig vom Alter, dem gesundheitlichen Zustand des Sehsystems, dem Kontrast und der Helligkeit.

Ein intaktes Kontrastsehen ist Grundvoraussetzungen für eine sichere Teilnahme am nächtlichen Strassenverkehr. Liegt eine Herabsetzung des Dämmerungssehvermögens vor, so gerät der Fahrer sehr schnell in gefährliche Situationen, in denen er andere Verkehrsteilnehmer nicht mehr rechtzeitig erkennen kann. Dies geschieht besonders bei Nebel, in der Dämmerung oder Nacht und bei Blendung durch Lichtquellen entgegenkommender Fahrzeuge. Nicht selten ist bei erhöhter Blendeempfindlichkeit die visuelle Wahrnehmung völlig aufgehoben. Die weitaus häufigste Ursache für eine Verminderung des Kontrastsehens und eine Steigerung der Blendeempfindlichkeit sind Trübungen der brechenden Medien (Hornhaut, Linse, Glaskörper), welche das Licht streuen.

Das Gesichtsfeld ist die Gesamtheit aller Objekte im Raum, die bei ruhenden, geradeaus fixierenden Augen wahrgenommen werden können. Im Vergleich zum zentralen Sehfeld, wird der periphere Teil des Gesichtsfeldes nicht scharf gesehen. Dafür nehmen wir dort Bewegungen sehr gut wahr. Was natürlich für die Aufnahme von Verkehrsinformationen von grosser Bedeutung ist.

Das Stereosehen erreichen wir durch ein beidäugiges Sehen, was uns eine räumliche Wahrnehmung ermöglicht. Die Fähigkeit Raumtiefe zu erkennen, entsteht durch die Überlagerungen der Bilder, welche das rechte und linke Auge dem Gehirn weiterleiten. Diese Fähigkeit ist im Strassenverkehr wesentlich um Distanzen richtig einschätzen zu können. Dies betrifft vor allem das Einparken.

Das Auge muss sich stetig an verschiedene Lichtverhältnisse anpassen. Dies trifft natürlich auch im Strassenverkehr zu. Am stärksten fällt dies an einem sonnigen Tag auf, sobald die Strasse durch einen Tunnel führt. Wenn sich der Fahrer im Tunnel befindet, startet die Dunkeladaptation. Bei diesem Vorgang wird die Empfindlichkeit erhöht. Dies dauert ungefähr 30 Minuten. Wenn der Tunnel wieder verlassen wird, findet sofort die Helladaptation statt, bei der sich das Auge wieder an eine höhere Leuchtdichte gewöhnen muss. Dieser Vorgang geht einiges schneller und dauert nur ca. 30 Sekunden.

Neue Grenzwerte für das Sehen im Verkehr

In der seit 1. Juli 2016 gültigen veränderten Verkehrszulassungsverordnung VZV sind unter anderem auch die Bedingungen für die bei Lehrfahrausweis- bzw. Führerscheingesuchen obligatorischen Sehtests modifiziert und den EU-Normen angepasst worden. Grundsätzlich gilt, dass jede/r Verkehrsteilnehmer/in verpflichtet ist, für ein optimales Sehen besorgt zu sein – bei Bedarf mit einer entsprechenden Korrektur (Brille oder Kontaktlinsen).

Es gibt zwei Gruppen von Fahrausweiskategorien:

Gruppe 1: Kategorien A, A1, B und B1 sowie Spezialkategorien F, G und M.

Gruppe 2: Kategorien C, C1, D, D1 sowie Bewilligungen für den berufsmässigen Personentransport und Verkehrsexperten.

Gesuchsteller/innen der Gruppe 2 müssen sich bei einem anerkannten Arzt untersuchen lassen, der dabei in der Regel auch den geforderten summarischen Sehtest vornimmt.

Gesuchsteller/innen der Gruppe 1 machen den Sehtest in der Regel beim qualifizierten Augenoptiker.

Sehanforderungen der Gruppe 1

Personen mit einer Sehschärfe von mindestens 0,7 auf dem besseren Auge und mindestens 0,2 dem schlechteren sowie Einäugige mit einer Sehschärfe von mindestens 0,8 – erfüllen die Anforderungen ohne Umstände. Ein Sehschärfewert (Visus) von „1“ entspricht dabei einer durchschnittlich guten Normsehschärfe.

Probandinnen und Probanden mit einer Sehschärfe unter 0,7 auf dem besseren Auge müssen sich vorgängig augenärztlich untersuchen lassen. Als rechtlich noch tolerierbares Minimum gilt eine Sehschärfe von 0,5 auf dem besseren Auge, solange das schlechtere den Wert von 0,2 nicht unterschreitet.

Neben der Sehschärfe werden beim summarischen Sehtest auch das Gesichtsfeld (mind. 120 Grad) sowie das allfällige Vorliegen von einschränkenden Doppelbildern geprüft.

Sehanforderungen der Gruppe 2

Bei der Gruppe 2 gelten als Mindest-Anforderungen für die Sehschärfe ein Wert von 0,8 auf dem besseren sowie 0,5 auf dem schlechteren Auge. Das Gesichtsfeld muss mindestens 140 Grad abdecken und eine normale Augenbeweglichkeit ohne Doppelbilder gegeben sein. 1

1 Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (741.51)

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