8. Kurzsichtigkeit (Myopie)

  • Was ist Kurzsichtigkeit

  • Wie entsteht Kurzsichtigkeit?

  • Gibt es Unterschiede nach Ethnie?

  • Muss man wegen einer Kurzsichtigkeit zum Augenarzt?

  • Was kann langfristig die Folge einer Kurzsichtigkeit sein?

  • Ursachen der Kurzsichtigkeit

  • Was kann langfristig die Folge einer Kurzsichtigkeit sein?

  • Was kann der Optometrist gegen Kurzsichtigkeit tun?


Was ist Kurzsichtigkeit?

In den meisten Fällen von Kurzsichtigkeit ist das Auge zu lange gewachsen. So dass die Netzhaut (Quasi „der Film des Fotoapparates Auge“) zu weit hinten liegt und dadurch ein unscharfes Bild entsteht.

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Wie entsteht Kurzsichtigkeit?

Nach der Geburt sind beinahe alle Augen noch ca. 4 dpt. weitsichtig, was in etwa 21mm Baulänge entspricht. Die Kinderaugen sind also noch zu klein. Nun sollte das Auge bis im Alter von ca. 7j-10j wachsen und dann bei der Normalsichtigkeit anhalten zu wachsen. Ist das Auge schon in einem Alter von 6j soweit, ist es stark gefährdet noch mehr zu wachsen und kurzsichtig zu werden

Es gibt auch spezielle Kurzsichtigkeiten wie Staphylom und Keratokonus, auf welche wir hier nicht weiter eingehen.

Gibt es Unterschiede nach Ethnie?

Auf den ersten Blick könnte man meinen, denn in Asien gibt es mit einem Anteil von 40% viel mehr Kurzsichtige wie in Europa 28% oder gar in Afrika 10%. Wächst jedoch ein Asiat oder Asiatin in Afrika auf dem Land auf, so liegt die Wahrscheinlichkeit kurzsichtiger zu werden wieder tiefer.

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Muss man wegen einer Kurzsichtigkeit zum Augenarzt?

Bei höheren Kurzsichtigkeiten empfehlen wir eine regelmässige Kontrolle der Netzhaut durch den Augenarzt oder einem Optometristen.

Ursachen der Kurzsichtigkeit?

  • Vererbung:

-Ist kein Elternteil kurzsichtig, liegt das Risiko auch kurzsichtig zu werden bei 10%

-Ist ein Elternteil kurzsichtig, liegt das Risiko auch kurzsichtig zu werden bei 30%

-Sind beide Elternteile kurzsichtig, liegt das Risiko kurzsichtig zu werden bei 60%

Dabei wird derzeit in der Forschung diskutiert ob die Kurzsichtigkeit die Folge eines vererbten „Kurzsichtigkeits-Genes“ ist, oder um vererbte Sehgewohnheiten handelt……(siehe nächster Abschnitt)

  • Naharbeit

Zuviel Naharbeit, fördert das Längenwachstum um 0.35 dpt/Jahr. Verschärft wird dieser Umstand, wenn die Arbeitsdistanz (Lesedistanz, Schreibdistanz, sowie Handy-, Tablets-, und Gamedistanz) unter 35cm zu liegen kommt.

Dies erklärt auch, warum Jugendliche mit Universitätsabschluss häufiger Kurzsichtig sind

Studie mit 4658 Teilnehmer (Myopia and Level of Education 2014)

Uniabsolventen:          53% bis 0.50 dpt         20.6% bis 3.0 dpt

Gymnasiasten         50.9% bis 0.50 dpt         19.2% bis 3.0 dpt

10 Jahre Schule          41.6%

9 Jahre Schule         27.6%

Ohne Schulabschluss 26.9%

  • Zuwenig Aufenthalt im Freien

Diverse Studien dazu aus den Jahren 2008 -2014 kommen zusammenfassend zum Schluss:

Viel Sport Spiel und Spass im Freien hilft den Kindern weniger kurzsichtig zu werden.

Täglich 2h/ Tag Also 14h /Woche!

  • Unschärfe

Unschärfe, (vor allem Peripher) und schlechte Kontrastbedingungen (zu wenig Licht) lassen das Auge wachsen. Die früher gut gemeinte Haltung, Fernbrillen zu schwach zu korrigieren hat sich als kontraproduktiv herausgestellt.

Leider weisen fast alle Brillengläser in der Peripherie Unschärfen auf, was zusätzlich das Augenwachstum anregt.

 

Was kann langfristig die Folge einer Kurzsichtigkeit sein?

Steigt die Kurzsichtigkeit über -4.0 Dioptrien, verzehnfacht sich das Risiko einer Netzhautablösung!

Es lohnt sich also früh, also schon bei -1.0 dpt Einfluss auf die Zunahme der Kurzsichtigkeit zu nehmen.

Was kann der Optometrist gegen Kurzsichtigkeit tun?

Nebst den Verhaltensänderungen (14h/Woche Outdoor, Leseabstand vergrössern, Licht optimieren) kann der Optometrist mit der Wahl der richtigen optischen Versorgung helfen, die Zunahme der Kurzsichtigkeit zu verringern. Vor allem Bifokalbrillen mit Nahunterstützung und Kontaktlinsen (welche in der Peripherie besser abbilden, helfen die Zunahme von Myopie positiv zu beeinflussen). Die Grafik (Smith EL 2013) hilft hier einen Überblick über unzählige Studienresultate zu geben:

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Lesebeispiel: Bei einem Kind nimmt die Myopie pro Jahr um -1.0 Dioptrien zu. Mit Orthokeratologie ist zu erwarten, dass die Myopie jährlich nur um -0.66dpt zunimmt.

Funktionsweise spezieller Kontaktlinsen zur Myopiekontrolle:

Abbildung von normalen Kontaktlinsen (z.B. Monatslinsen). Deutlich erkennt man, dass das Bild in der Peripherie nicht auf der Netzhaut abgebildet wird – mit der Folge, dass die „Netzhaut zum Bild wachsen will“:

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Abbildung von speziellen Linsen zur Myopiekontrolle. Deutlich zu erkennen ist, dass auch periphere Strahlen scharf auf die Ebene der Netzhaut fallen:

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Orthokeratologie

Oder „Nachtlinsen“. Diese Linsen werden nur über Nacht getragen. Noch Ende des 20.Jahrunderts wurden diese einfach so angepasst, dass sie die zentrale Hornhaut plattdrücken. Neuere Linsen berühren die Hornhaut weiterhin zentral und neu „saugen“ sie auch peripher die Hornhaut so an sich, dass man am Folgetag ohne Linse sehen kann. Dieses System, hilft auch die Zunahme der Kurzsichtigkeit einzudämmen, ist jedoch nur für Korrekturen bis max. -3.50dpt zu empfehlen.

 

 

Können Kinder Linsen tragen?

Grundsätzlich Ja!

Voraussetzung ist, dass:

  • die Kinder fähig und pflichtbewusst genug sind, um mit Ihren Linsen sorgsam umzugehen und diese konsequent korrekt zu reinigen. Es macht Sinn, dass die Kinder die Linsen selber einsetzen und herausnehmen können. Bei sehr kleinen Kindern und Säuglingen, müssen die Eltern diesen Part übernehmen. (Meine persönliche Erfahrung ist, dass Kinder meist pflichtbewusster mit den Linsen umgehen, wie mache Erwachsene…)
  • halbjährlich Linsenkontrollen durchgeführt werden und die Linsen dem wachsenden Auge nachangepasst werden.